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Nazi?

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Ich möchte, bevor ich weiter schreibe, eins klarstellen: Ich würde mich selbst als überwiegend links bezeichnen, mit allem, was da dran hängt. Ich bin Fremden überaus wohl gesonnen, weil ich auch gerne in der Fremde bin.

Ich sitze heute im Regio. In einer Zweierreihe im Gang, der Fensterplatz ist leer. Ich döse. Zoo. Viele steigen ein. Auch eine kleine, asiatisch aussehende Frau. Sie tippt mich an, ob der Platz noch frei wäre. Ich nicke kurz und rutsche ans Fenster. Augen wieder zu, alles gut. Plötzlich reißt es mich hoch, weil ein penetranter Geruch meine Nase geißelt. Die kleine Asiatin hat ihre Plastiktüte geöffnet und verspeist irgendwas wie Stockfisch, getrockneten Fisch oder whatever. Jedenfalls etwas, das mich fast zum erbrechen bringt. Ja, ich bin da vielleicht etwas empfindlich, sagt meine Freundin auch, aber hey…. Ich schaue sie kurz an, mache eine Kopfbewegung wie „hey, das ist nicht so geil“ und bette mich wieder an die Fahrgastzugwand. Es dauert 30 Sekunden, da geht der Beutel wieder auf. Sie knuspert genüsslich ihr stinkendes Etwas, packt zwei Dosen Becks aus, nestelt eine Weile an der ersten Dose und holt die nächste Charge Stinkefisch aus dem Tütchen. Ich werde langsam ungehalten. Sage ich was? Wie sieht das aus? Darf man das? In Charlottenburg halte ich es nicht mehr aus. Ich sage zu ihr: „Könnten Sie bitte ihre Tüte wenigstens zwischendurch, wenn Sie nicht reingreifen, zu machen?“ Sie zuckt nicht. Ich war wohl doch nicht ganz so leise, wie ich dachte. Jedenfalls schauen mich mindestens zehn Augenpaare um mich herum entgeistert an. Ich fühle mich wie ein Nazi.

Was ich sagen will: ich hätte das auch zu jedem anderen gesagt, es war egal, dass es eine Asiatin war. Trotzdem hatte ich ein schlechtes Gewissen. Und das ist, was mich so ankotzt. Der rechte Mob schafft es, dass ich übersensibel auf Menschen reagiere, die anders aussehen. Das ich einen Beschützerinstinkt entwickle. Obwohl es gar nicht um Herkunft oder ähnliches ging, sondern um ganz einfache Dinge im Zusammenleben. Aber auch links ist nicht alles Gold, was glänzt. Man darf ein Arschloch aus Indien nicht mehr Arschloch nennen, ohne sich dem Verdacht des Rassismus auszusetzen. Mir ist es aber egal, ob jemand aus Indien, Afghanisten, Syrien oder aus der Schweiz kommt. Wenn er/sie Panne ist, dann sag ich das.

Beispiel: Ich stehe so rum und Murat vom Döner latscht mir auf die Hessen. Ich sage „ey, Du Nase, was soll das?“. Peggy von der Antifa bekommt das mit und ich bin sogleich der rassistische Toffel.
Ich stehe so rum und Sandro von der völkischen Nationalfront latscht mir auf die Hessen. Ich sage „ey, Du Nase, was soll das?“. Peggy von der Antifa bekommt das mit und ich bin sogleich der Held der Woche, der dem Nazi Paroli geboten hat.

Ich hoffe, es wird klar, was ich meine. Mich kotzt es an, dass immer in diesen herkunftsabhängigen Schubladen gedacht wird, mich kotzt an, dass alle Seiten die Wahrheit mit Löffeln gefressen haben und mich kotzt es vor allem an, dass Mensch nicht Mensch ist. Und das ist vor allem den rechten Arschlöchern zu verdanken.

Ein Kommentar

  1. Ja, so ist es, „Arschloch sein“ ist ein internationales Phänomen!

    Und unabhängig davon bin ich natürlich grundsätzlich für ein Verbot der Nahrungsaufnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln, rauchen darf man ja auch nicht. Cheers!

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